
In der Geschichte der Seefahrt finden sich immer wieder Berichte über rätselhafte Krankheitswellen, die ganze Schiffsbesatzungen gleichzeitig erfassten. Besonders bemerkenswert sind Beschreibungen von grippeähnlichen Erkrankungen, die scheinbar unabhängig voneinander auf verschiedenen Schiffen auftraten – selbst wenn diese sich weit voneinander entfernt auf den Weltmeeren befanden! Warum wird nie über diese Phänomene berichtet?
Solche Beobachtungen beschäftigten Ärzte und Chronisten lange Zeit, denn sie stellten die einfache Vorstellung einer direkten Ansteckung von Mensch zu Mensch infrage.
Beobachtungen aus der Zeit der großen Seefahrten
Während der großen Entdeckungsreisen – etwa in der Zeit von Seefahrern wie Christopher Columbus oder James Cook – führten Kapitäne und Schiffsärzte detaillierte Logbücher über den Zustand ihrer Mannschaft.
Darin finden sich Beschreibungen von plötzlichen Krankheitswellen:
- mehrere Matrosen bekamen gleichzeitig Fieber
- starker Husten und Gliederschmerzen traten auf
- viele Besatzungsmitglieder waren gleichzeitig erschöpft oder bettlägerig
Manchmal trat eine solche Erkrankung auf mehreren Schiffen gleichzeitig auf, obwohl diese sich zu diesem Zeitpunkt auf völlig unterschiedlichen Routen befanden. Ein Zufall?
Eine schwierige Erklärung für damalige Mediziner
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit dominierte noch die Vorstellung der Miasmenlehre – also der Idee, dass Krankheiten durch „schlechte Luft“ entstehen.
Doch wenn mehrere Schiffe auf verschiedenen Ozeanen ähnliche Krankheitswellen erlebten, stellte das auch diese Theorie vor Fragen. Wie konnte dieselbe „schlechte Luft“ gleichzeitig an so vielen Orten auftreten?
Manche Gelehrte vermuteten daher größere Einflüsse der Natur, etwa:
- Veränderungen der Atmosphäre
- klimatische Schwankungen
- kosmische oder planetarische Konstellationen
Solche Gedanken spiegeln die damalige Suche nach einem umfassenderen Verständnis von Krankheit wider. Heutzutage wird nur rein wissenschaftlich gedacht, früher wurden diese Themen ganzheitlicher gesehen. Da die wissenschaftlichen Methoden von heute noch nicht zur Verfügung standen, bestand die Gefahr daher nicht, sich rein im wissenschaftlichen Rechnen und Theoretisieren zu verlieren. Es wurden daher Ansichten vertreten, die über die reine Wissenschaft hinaus gingen.
Frühbeschreibungen von Epidemien
Auch an Land wurden ähnliche Phänomene beobachtet. In Chroniken wird immer wieder beschrieben, dass ganze Regionen gleichzeitig von grippeartigen Erkrankungen betroffen waren.
Ein frühes Beispiel ist die große Grippewelle von 1580, eine der ersten gut dokumentierten Pandemien Europas. Sie breitete sich innerhalb kurzer Zeit über große Teile der bekannten Welt aus und wurde später in medizinischen Schriften beschrieben, etwa von dem Arzt Thomas Sydenham.
Das Leben auf engem Raum als Verstärker
Auf Schiffen konnten sich Krankheiten besonders schnell ausbreiten. Die Gründe lagen auf der Hand:
- enge Schlafräume
- schlechte Belüftung
- Stress und Erschöpfung
- eingeschränkte Ernährung
Wenn eine Erkrankung einmal ausbrach, konnte sie innerhalb weniger Tage die gesamte Mannschaft betreffen.
Doch gerade die Berichte über gleichzeitige Erkrankungen auf verschiedenen Schiffen zeigen, wie komplex das Phänomen von Epidemien schon damals erschien.
Kausales Denken alleine reicht nicht als Erklärung
Heutzutage denken wir nur noch rein kausal im Sinne von Ursache und Wirkung. Früher war das anders. Vor vielen Hundert Jahren dachte der Mensch noch viel weniger Kausal, sondern noch mehr in Prinzipien, die aus einer anderen Welt in unsere Welt einwirken.
Heute sieht es der wissenschaftliche Konsens so, dass grippeähnliche Erkrankungen durch Einflüsse wie Erreger verursacht und übertragen werden können.
Doch wenn sich diese Erkrankungen immer wieder gleichzeitig an verschiedenen Orten der Welt sich zu verbreiten beginnen, dann kann dies rein kausal nicht erklärt werden. Ein Erreger kann in diesem Fall nicht durch globale Handels- und Reiserouten verbreitet werden, denn das würde viele Tage und Wochen Zeit brauchen, bis die Menschen sich an den verschiedenen Orten austauschen und somit eine Krankheit verbreiten können.
Für uns heute ist es spannend zu sehen, wie viele Fragen rund um Gesundheit, Umwelt und Lebensweise bereits vor Jahrhunderten gestellt wurden. Heute können wir diese Betrachtungsweise modern mit kosmischen Einflüssen bezeichnen. Also Kräfte oder Einflüsse, die sich an verschieden Orten der Welt gleichzeitig zeigen und wie hier im Beispiel von Krankheiten ausdrücken.
Gerade in der ganzheitlichen Medizin wird deshalb nicht nur der einzelne Erreger betrachtet, sondern auch das Zusammenspiel von Körper, Umwelt und Lebensbedingungen.
Endbetrachtung
Die Logbücher der Seefahrer sind ein faszinierendes Fenster in die Medizingeschichte. Sie zeigen, dass sich Krankheiten nicht nur lokal ausbreiten, sondern auch oft gleichzeitig an vielen Orten auftreten können und dass Menschen schon früh versuchten, diese Zusammenhänge zu verstehen.
Der Begriff Grippewelle bekommt eine viel tiefere Bedeutung. Nicht nur eine Welle im Sinne, dass diese durch eine klare Ursache kausal ausgelöst wird, sondern auch eine Welle im Sinne eines viel tieferes Verständnis, wo die Ursache nicht mehr klar zurück verfolgbar ist und sich trotzdem etwas an vwerschiedenen Orten ausbreitet: So wie bei einer Wasserwelle die Ursache – z.B. eine Sandbank im Meer – meist nicht zu sehen ist, sondern nur die Auswirkung sichtbar ist. Die Ursache liegt sprichwörtlich im Verborgenen.
Auch wenn die Erklärungen von früher und heute sich stark unterscheiden, bleibt eines gleich: Gesundheit und Krankheit hängt immer von vielen Faktoren ab – vom Umfeld, der Lebensweise, von der Fähigkeit des Körpers, im Gleichgewicht zu bleiben, aber auch von Einflüssen jenseits unseres Denkens, auf die wir gar keinen bewussten Einfluss haben. So wie eine Medaille, die zwei Seiten hat: Bewusste, beeinflussbare Kräfte und unbewusste, nicht beeinflussbare Kräfte, die sich auch im Leben und in der Welt immer wieder ausdrücken, ob wir es erkennen oder nicht.
